ANMERKUNG ZU DEN TONBÄNDERN AUS RIO DE JANEIRO

 

 

Ich hatte angenommen – und mit mir viele tausend Leser, die bestimmt ebenso betrübt waren –, daß der Bericht Dray Prescots mit der Abschrift der letzten Tonbänder aus Afrika zu Ende sein würde. Die Bearbeitung seiner unglaublichen Erlebnisse auf Kregen unter den Sonnen von Scorpio, das durch ein glückliches Geschick mir zugefallen war, hatte dazu geführt, daß jeder Band in sich geschlossen war und unabhängig von den anderen gelesen werden konnte. Nun waren nach den ersten drei Ausgaben nur noch wenige Seiten übrig.

Danach – nichts mehr. Ich hatte gehofft, daß Dray Prescot vielleicht ein Exemplar seines Erlebnisberichts sehen und mit mir Kontakt aufnehmen würde. Bis jetzt ist diese Hoffnung ohne Erfüllung geblieben.

Ich hatte gerade die letzten Worte des dritten Bandes niedergeschrieben und mich in meinem alten, mit Büchern vollgestopftem Arbeitszimmer zurückgelehnt, in dem Bewußtsein, über einem alten Freund den Sargdeckel geschlossen zu haben, als das Telefon klingelte. Geoffrey Dean rief aus Washington an. Dieser Zufall fuhr mir ziemlich in die Glieder, denn es war Geoffrey gewesen, der mir die Bänder aus Afrika überlassen hatte; er war sehr aufgeregt.

»Ich habe neue Bänder von Dray Prescot!« schrie er laut ins Telefon.

Als wir uns wieder einigermaßen beruhigt hatten, verabredeten wir ein sofortiges Zusammentreffen in Washington. Ein seltsames Paket mit zahlreichen ausländischen Stempeln und Beschriftungen war bei ihm eingetroffen, das er ahnungslos geöffnet hatte. Die Wahrheit dämmerte ihm, als er die Kassettenstapel in der Schachtel sah und aufgeregt ein Band kurz angespielt hatte – darauf war er sofort zum Telefon geeilt. Die Schachtel war offenbar durch die ganze Welt gereist – der Ausgangspunkt war jedoch Rio de Janeiro. Ich kann meine Empfindungen nicht beschreiben, als ich die neuen Bänder sah, das herrliche neue Eldorado exotischer Abenteuer auf Kregen unter Antares, auf diesem schönen, geheimnisvollen und ehrfurchtgebietenden Planeten, der vierhundert Lichtjahre von unserer Erde entfernt ist.

Geoffrey hielt mir einen Brief hin, der übersetzt worden war.

 

Lieber Mr. Fraser,

Mr. Dray Prescot hat mich gebeten, Ihnen diese Bender zu ibersenden. Mr. Prescot hatte grossen Anteil daran, daß ein Iberfall auf ein Linienflugzeug glimpflig verlief, dessen Passagier auch ich war. Die Banditen hatten es nur auf ein Lesegeld abgesehen. Wir stirzten im Dschungel ab, und ohne Mr. Prescots Hilfe hette keiner der Passagiere iberlebt. Wir hetten hinterher alles fir ihn getan – doch er bat nur um eine greßere Anzahl Kassetten und lieh sich mein Bandgeret aus. Und ich musste ihm versprechen, Ihnen die fertigen Bender zu schicken, was ich hiermit freudig tue. Ich bedaure sehr, daß ich die Texte nicht habe heren kennen, da mein Englisch zu schlecht ist, um das alles zu verstehen. Mr. Prescot hat Rio de Janeiro inzwischen verlassen. Wenn Sie ihn sehen, ibermitteln Sie ihm bitte meine herzlichen Grisse.

Francisco Rodriguez

 

»Und eine Hotelanschrift in Rio«, sagte ich.

Geoffrey seufzte. »Leider keine Spur von Rodriguez.«

Ich betrachtete die Kassetten, und meine Hände zitterten, als ich das mit »1« gekennzeichnete Band in das Gerät einlegte. Im nächsten Augenblick ertönte Dray Prescots tiefe, klare Stimme. Wenn ich auch persönlich nicht für den Wahrheitsgehalt des Berichts einstehen kann – so muß ich doch sagen, daß diese ruhige, selbstsichere Stimme mir unendliches Vertrauen einflößte.

Die kostbare Sendung war mit der Schiffspost an Dan Frasers Anschrift in Afrika gegangen; Dan Fraser war der Mann gewesen, der mit Dray Prescot persönlichen Kontakt gehabt und die ersten Bänder an Geoffrey Dean weitergeleitet hatte. Aber Fraser war inzwischen bei einem Autounfall ums Leben gekommen, so daß die Bänder uns auf Umwegen erst jetzt erreichten.

Und nun konnte die Welt neuen Anteil haben an den Abenteuern Dray Prescots! Nach der Beschreibung Dan Frasers ist Dray Prescot gut mittelgroß und hat glattes braunes Haar und intelligente braune Augen, die ruhig und seltsam zwingend sind. Seine Schultern sind ungewöhnlich breit.

Prescot, der 1775 geboren wurde, hatte sich zum Offizier der damaligen Britischen Marine emporgedient; in dieser Stellung war sein Erfolg jedoch bescheiden gewesen. Schon damals mag er innerlich überzeugt gewesen sein, daß ihm ein ungewöhnliches Schicksal bevorstand. Als er schließlich nach Kregen entführt wurde, genoß er förmlich die Gefahren, denen er zur Probe unterworfen wurde – und durch sein Bad im heiligen Taufteich am Zelphfluß von Aphrasöe wurde sein Leben verlängert, so daß er nun tausend Jahre alt werden kann, wie auch seine geliebte Delia von den Blauen Bergen. Von den Herren der Sterne – von denen er uns nichts erzählt – zum zweitenmal nach Kregen geholt, wurde er schnell zum Zorcander der Klansleute gemacht und stieg anschließend zum Lord von Strombor auf, einer Enklavenfamilie in der Stadt Zenicce an der Westküste von Segesthes. Später war er Sklave unter den Oberherren Magdags und hatte entscheidenden Anteil an dem Kampf der Sklavenarmee gegen die brutalen Herrscher. Mitten aus dem Kampf wurde er herausgerissen und in einen anderen Teil des Binnenmeers versetzt. Dort stieß er auf seine geliebte Delia, die den Luftfahrtdienst ihres königlichen Vaters eingesetzt hatte, um ihn zu finden, und die selbst zum Binnenmeer gekommen war, um ihren verlorenen Geliebten zu suchen. Delia und Dray Prescot flohen über die Stratemsk, das gewaltige Gebirge, welches das Binnenmeer vom Land im Osten trennt, von den Unwirtlichen Gebieten. Mit ihren Freunden Seg und Thelda stürzten sie ab und erlebten gefährliche Abenteuer, bis Prescot schließlich den Tiermenschen Umgar Stro töten und Delia retten konnte. Die endgültige Flucht auf einem Impiter – einem pechschwarzen Flugtier – gelang. Seg und Thelda, so berichtet Prescot voller Trauer, sind von einer Gruppe Halbmenschen niedergeritten worden. Ein Flugboot des vallianischen Luftdienstes greift sie schließlich auf – doch an Bord des Fliegers Lorenztone herrscht Verrat – am nächsten Morgen erwacht Prescot allein unter einem Dornefeubusch. In der Nähe findet er Waffen und Nahrungsmittel, was bei Delia den Eindruck erwecken soll, er sei geflohen, weil er Angst vor ihrem Vater habe, dem Herrscher über Vallia. Dray vermutet hinter diesem Schritt die vallianische Ractor-Partei, die etwas dagegen hat, daß Prinzessin Majestrix von Vallia ihn heiratet, einen Fremden, den diese Vallianer nicht als standesgemäß anerkennen.

Hier beginnt dieser Band Die Armada von Scorpio. An der Stelle, wo die Abschrift der alten Bänder aus Afrika endet und die der neuen Kassetten aus Rio beginnt, habe ich einen Vermerk angebracht, denn dort klafft im Handlungsablauf eine Lücke. Mein Studium der Kassetten hat ergeben, daß wir weitere Lücken in der Geschichte hinnehmen müssen. Ich bin aber überglücklich, daß wir überhaupt von den faszinierenden und erregenden weiteren Abenteuern Prescots auf Antares erfahren.

Dray Prescot 04-Die Armada von Scorpio
titlepage.xhtml
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_000.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_001.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_002.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_003.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_004.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_005.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_006.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_007.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_008.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_009.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_010.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_011.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_012.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_013.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_014.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_015.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_016.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_017.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_018.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_019.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_020.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_021.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_022.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_023.htm
Akers, Alan Burt - Dray Prescot Saga 04 - Die Armada von Scorpio_split_024.htm